Allgemein

Coronakrise und die Lehren für die Kommunikation.

Coronakrise und die Lehren für die Kommunikation

Rette sich, wer kann. Was auf einem sinkenden Schiff als letzter Rettungsaufruf gilt, sollte auch in der aktuellen Wirtschaftslage zur Devise werden. Wer sich jetzt immer noch nicht selbst retten kann oder retten wird, wird wohl untergehen. So brutal es klingt. Fremde Hilfe ist kaum zu erwarten. Von wem denn auch? Von der Bundesregierung? Witzig. Die Unternehmen brauchen so dringend Geld, wie der Neusiedlersee Wasser. Die versprochenen Hilfen sind dabei noch nicht einmal unterwegs. „Koste es was es wolle“ bzw. „Niemand wird im Stich gelassen“ sind längst schon als gut gemeinte PR-Gags entpuppt worden. Die Bundesregierung hat bis jetzt leider nur mit gut inszenierter Krisenkommunikation gepunktet. Schnelle und unbürokratische Hilfe? Fehlanzeige. Resümee: Gesundheitssystem gerettet, Unternehmen zerstört. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind fatal. Die Coronakrise und die Lehren für die Kommunikation noch fataler.

Zwischen den Zeilen reden.

Österreich hat das Coronavirus halbwegs im Griff. Hätte es kein Ischgl gegeben, wären die Konsequenzen vielleicht nicht so dramatisch gewesen. Trotzdem oder vielleicht auch deshalb wurde seitens der Bundesregierung die Notbremse gezogen. Richtig oder falsch? Kann und will ich nicht beurteilen. Man kann aber mutmaßen, dass die Vollbremsung zu abrupt war. Was auch einige Corona-Task-Force Experten im Nachhinein von den Dächern zwitschern. Stattdessen hat man sich auf ein mathematisches Modell verlassen und Österreich zugesperrt.

Egal. Ist passiert und wir müssen mit den Folgen leben. Einige Unternehmen werden an diesen Folgen auch sterben. Das ist tragisch und eigentlich nicht zu entschuldigen. „Wir haben alles richtig gemacht“ ist ein unpassendes Selbstlob und darf auch nicht so verstanden werden. Wenn die Politik einfach so daherfaselt haben wir zwischen den Zeilen zu hören (zu lesen). Denn Wahrheit, Ehrlichkeit und Transparenz sind in Zeiten des „Message Control“ keine Mittel, sich politisch in Szene zu setzen. Oder glauben Sie der Herr Bundeskanzler würde sich nach dem Versprechen einer „schnellen, raschen und unbürokratischen Hilfe“ zur x-ten Pressekonferenz hinstellen und verlautbaren, dass alles doch wie gewohnt langsam, zäh und über-bürokratisch – also österreichisch, abläuft? Eben. So heißt schnell und rasch übersetzt, dass von dem gut € 38 Mrd. schweren Hilfspaket nach 10 Wochen erst € 464 Mio. ausbezahlt worden sind. Keine wirkliche Meisterleistung der Bundesregierung.

Coronakrise und ihre Folgen für die Kommunikation

Ablenken, schönreden und ablenken.

So gilt auch für die Regierung das Motto sinkender Schiffe. Rette sich, wer kann. Die Herren Bundeskanzler, Innenminister und Wirtschaftsminister allen voran. Ablenken, schönreden und wieder ablenken. Fehler machen ist menschlich. Diese nicht zuzugeben ist hingegen ein politischer Trick, den die türkis-grünen Minister*innen gut beherrschen. Wir haben und wir werden – obwohl nichts getan wurde und getan wird. Das hat mit Kommunikation wenig zu tun. Das ist „A*** retten“.

Leittragende sind letztendlich jene, die wirklich etwas tun. Jene, die tatsächlich Arbeitsplätze schaffen und Arbeitsplätze sichern, die Unternehmer*innen. Die einzigen Arbeitsplätze, die von der Politik geschaffen werden, sind meistens parteiinterne und parteinahe Versorgungsposten.

Kommunikation ist was hängen bleibt.

Die Kommunikationsstrategie der Regierung ist eine ziemlich einfach gestrickte. Zuerst wollte und musste man Angst schüren. Mit Bildern und Vergleichen. Italien und Spanien als Schreckgespenst. Die vielen Toten, die Särge, die überfüllten Spitäler. Das sitzt und bleibt hängen. Eine einfache Sache. Dann benötigte man nur überspitzte Botschaften und schon ist der Angstfaktor hoch.

  • „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“
  • „Ich würde gerne eine Alternative anbieten, aber es gibt keine Alternative.“
  • „Die Wahrheit ist, dass die schweren Zeiten noch vor uns stehen.“
  • „Es sei alles zu tun, dass dieser Sturm uns nicht so heftig trifft wie in Italien.“
  • „Wir müssen uns noch mehr anstrengen.“
  • „Wir wollen versuchen, dass die Schüler die Matura schaffen.“
  • „Im Supermarkt werden wir das alle lernen und üben“.

Kommunikation ist das, was beim Empfänger hängen bleibt. Diese Grundregel, haben Kurz & Co bestens beherrscht. Je öfters es gesagt wird, desto stärker blieb es hängen. In den Köpfen. Und genau dort wollte es man platzieren.

Und jetzt? Jetzt geht’s um ein geschicktes „back selling“. Jenen Menschen, denen man diese Angst (und die daraus aktivierte Unterwürfigkeit) verkauft und möglicherweise eine Zukunft verbaut hat (ich vermeide das Wort „zerstört“), erneut zu verklickern, dass alles richtig war. Siehe Ischgl und Lockdown.

Und noch eins ist stark in Mode gekommen. Die Salamitaktik. Täglich eine Scheibe. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Scheibe Information und eine Scheibe Hilfe. Reicht es aus, alles gut. Reicht es nicht aus, wird nachgelegt und verbessert. Und am Ende stellt sich heraus, dass alles nur eine falsche Formulierung war. Aber man habe daraus gelernt und reagiert. Nicht ganz freiwillig.

Lernen für die Zukunft.

Die Coronakrise und die Lehren für die Kommunikation? Wir können einiges lernen. Ich habe einiges gelernt. Für die eigene Kommunikation und fürs eigene Leben. Egal ob ich mit dem was passiert ist einverstanden bin, oder nicht.

  • Ich muss mir dringend das Fremdschämen abtrainieren. Ich bin einige Male im Polster versunken. Beim Bundeskanzler am meisten.
  • Message Control kann nicht jede*r.
  • Auswendig gelernte Botschaften wirken künstlich
  • es braucht Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz
  • Politiker sind keine Experten, Experten sind keine Politiker
  • wir sind weder Politiker noch Experten
  • wir sind alle Experten, insbesondere Virologen und Epidemiologen
  • zu viele Menschen lassen sich einfach nur berieseln und hinterfragen kaum etwas (Fake News Party)
  • Hinterfragen ist etwas für Intelligente. Also nicht für alle.
  • Man hört und sieht nur das, was man hören und sehen will.
  • Schuldige sind immer schnell gefunden. Meistens die anderen.
  • der ORF ist und bleibt ein Staatsfunk
  • hilft dir selbst und dir wird geholfen
  • Pressekonferenzen sind peinliche Schauspiele
  • man darf sich und anderen auch Fehler eingestehen
  • die Wirtschaftskammer ist meine Interessensvertretung mit eigenen Interessen
  • die Menschen vergessen viel zu schnell

Die Coronakrise und die Lehren für die Kommunikation sind Impulse zum Nachdenken und zum Überdenken. Einmal mehr wurde gezeigt, wie beeinflussbar wir in unserer Psyche sind und wie schnell gezielte Botschaften („Schau auf dich. Schau auf mich“ oder „Wer’s richtig trägt, überträgt’s nicht“) aufgenommen werden. Man hat mit uns gespielt und man spielt mit uns munter weiter.

Es ist schon verdammt schwer, sich gegen die Angst zu wehren. Das macht mir am meisten Angst.

#impulsetogo

Danke für ihre Empfehlung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.