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Härtefonds – Hilfe oder Schwindel?

Härtefonds

Auch mich hat es erwischt. Die Coronakrise rüttelt mein Geschäft ganz ordentlich durcheinander. Viele Aufträge sind storniert. Kunden bitten um Zahlungsaufschub. Gleichzeitig habe ich vieles bereits vorfinanziert. Meine Vorträge, Seminare und Kurse dürfen nicht abgehalten werden. Zudem sind all meine Rennradreisen vorerst auf Eis gelegt. Meine Liquidität leidet unter dem Coronavirus. Jetzt schon. Damit bin ich einer von vielen Tausenden. Ein Lichtblick waren die Worte der Bundesregierung und das Versprechen staatlicher Hilfe. Immerhin hat der Staat das Land dicht gemacht. „Koste es was es wolle“ und „wir lassen niemanden im Stich“ war zu lesen. Das war vor ein paar Tagen. Heute sieht die Welt ganz anders aus. Der Härtefonds für EPUs ist für mich nicht anzapfbar. Glücklich jene 82.000, welche ihren Antrag bis heute 30.3.2020 abgeben konnten.

Unbürokratisch aber tückisch.

Der Teufel steckt wie immer im Detail. So auch im Härtefonds. Statt unbürokratischer Hilfe entpuppte sich der Härtefonds als tückischer Spießrutenlauf. Die Kriterien, auf die wir bis zum Schluss lange warten mussten, schließen von Vorhinein allzu viele Unternehmer*innen aus. All jene, die zu wenig verdienen (unter ca. € 6.000,-), jene die zu viel verdienen (€ über ca. 55.000,-), Unternehmer*innen ohne Gewerbeschein, Neugründer*innen und Unternehmer*innen mit Mehrfachversicherung. Letztere sind zum Beispiel jene, die neben ihrer selbständigen Tätigkeit auch einen anderen Nebenverdienst haben. Diese schauen durch die Finger, obwohl sie doppelt Steuer zahlen.

Also nichts von wegen, niemand wird im Stich gelassen. Da sitzen einige auf einem Haufen leerer Bankkonten. Sie müssen aber trotzdem ihre laufenden Kosten decken. Chance auf Aufträge? Mangelware.

Es war einmal ein Epidemiegesetz.

Vor dieser Coronakrise gab es ein Epidemiegesetz. Das wäre eine gute Sache gewesen. Im Fall einer Pandemie hätten Unternehmen ein Recht auf Entschädigung. Dieses Epidemiegesetz wurde in einer Nacht- und Nebelaktion einfach ausgehebelt und außer Kraft gesetzt. Stattdessen gibt es das COVID-19 Gesetz. Rechte gibt es nicht mehr. Dafür Möglichkeiten, eventuell etwas zu bekommen. Alles neu macht das Virus. Und die Politik stellt sich vom Bundeskanzler abwärts vor die Kamera und erzählt wie toll und großzügig jetzt Milliarden (10 um genau zu sein) an die Unternehmen verteilt werden sollen, damit sie liquide bleiben und die Wirtschaft keinen allzu großen Schaden davonträgt.

Interessant dabei ist, wie oft das Wort „wir“ (die Bundesregierung) verwendet wird. Das Geld, welches hier teilweise verteilt wird, ist nicht vom Staat. Sondern es sind Rücklagen. Aus Steuern und Abgaben der Unternehmer*innen. Deren „Wir“ ist also eigentlich „unser“ Geld. Mediale Inszenierung.

Tür zu. EPUs müssen draußen warten.

Kommunikation Top. Umsetzung Flop.

Die aktuelle Bundesregierung ist darauf bedacht, einfach gut dazustehen und medial als großer Retter wahrgenommen zu werden. Eine Schönrede folgt der anderen. Ein Versprechen übertrifft das andere. Zuerst der Bundeskanzler, dann der Vizekanzler und zum Schluss noch der Finanzminister. Alle haben Sie nur ein Ziel. Ihre persönliche Marke ins Rampenlicht zu rücken. Ihre Rollen klar verteilt. Wenn dann noch der Generalsekretär der WKO als weiterer Messias dazukommt, dann ist das Märchen von „alles wird gut“ perfekt. NLP und Message Control in ihrer reinsten Form. Sollten, müssten, könnten … Politikgelabere. Niemand der es einfach macht.

Und jetzt die entscheidende Frage: Was macht ein EPU mit bis zu € 1.000,- Soforthilfe? Der Wiener würde sagen „An Schas“ . Der politischen Korrektheit wegen, verzichte ich auf diesen Begriff aber. Sagen wir einfach – wieder auf wienerisch, „goar nix“. Miete, laufende Betriebskosten, der eigene Lebensunterhalt … dafür reichen bis zu € 500,- wohl wenig, wenn die Umsätze wegfallen.

Der Aufschrei war groß. Und plötzlich wolle man nachbessern. Laut Vizekanzler, war das sowieso geplant, dass in einer zweiten Phase, der Kreise der Begünstigten vergrößert wird. Zweite Runde? Ja, das ist die Bettelrunde. Bis zu € 6.000,- auf drei Monate sind möglich. Die Bedingungen dafür kenn auch noch keine*r. Nicht einmal die Regierung oder die WKO. Österreich wäre nicht Österreich, würden die Mühlen schneller mahlen und für alles wäre kein bürokratischer Aufwand notwendig.

Im Regen stehen und warten was passiert.

Das System ist infiziert.

Das Problem der Wirtschaft ist nicht das Virus. Es ist das System. Der Virus wird gehen. Das System bleibt infiziert. Andere Länder sind da viel weiter. Schweiz, Deutschland … wohin man schaut. Es gibt Hilfe für alle Unternehmer*innen. Schnell und unbürokratisch. In der vom Duden vorgegebenen Bedeutung. Rasch und ohne großen Aufwand.

Österreich lebt von Freunderlwirtschaft. Wer anderen einen Gefallen machen kann, der kann mit einem Gefallen rechnen. „Gehts den Freund*innen gut, gehts mir gut“. Das ist das Virus dieses Landes. Wer nicht Teil des Systems ist (oder sein darf) schaut durch die Finger.

Egal. Wenn mich das Virus nicht umbringt, dann schafft es das System auch nicht. Auch ohne Härtefonds.

#impulsetogo

Danke für ihre Empfehlung

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